Zwischen Tradition und Moderne –
Martin Elsaesser in Frankfurt

Martin Elsaesser pflegte bis zu seiner Berufung nach Frankfurt eine eigene von seinem herausragenden Lehrer Theodor Fischer geprägte Architektur-Auffassung, die eine soziale wie kulturelle Anpassungsfähigkeit der Gebäude befürwortete, ohne auf Modernität in Bauweise und Konstruktion zu verzichten.

In Frankfurt sah er sich dem kompromisslosen Ernst May gegenüber, einem „Mann der Moderne“, der nicht nur in seinem Wohnungsbauprogramm auf Rationalität und Effizienz im Sinne des Neues Bauens bestand. Der Baudezernent setzte sich durch und der monumental-fantasievolle Expressionismus von Elsaessers frühen Frankfurter Bauten (Haus Höhenblick, Konrad-Haenisch-Schule) wich einer streng sachlich aufgefassten Moderne (Römerstadtschule, Gesellschaftshaus am Palmengarten). Jedoch blieb Elsaesser ein Baukünstler, der es verstand, mit eigener Formkraft seinen Bauten einen individuellen Ausdruck zu geben.


Zu den „besseren“ Gebäuden hätten einige der Projekte zählen können, die hauptsächlich der Weltwirtschaftskrise zum Opfer fielen und nicht realisiert wurden. Dazu gehörten neben weiteren Schulbauten ein Hochhausprojekt als Rathauserweiterung, ein Konzerthaus und zwei große Hallenschwimmbäder. Für letztere waren als Standorte die Moltkeallee (heute: Hamburger Allee) und das nördliche Mainufer an der Wilhelmsbrücke (heute: Friedensbrücke) vorgesehen. Weit ausgereift war der ambitionierte Entwurf einer Kunstgewerbeschule, die am südlichen Mainufer gegenüber der Friedensbrücke, Ecke Theodor-Stern-Kai, entstehen sollte. Für das Projekt einer Zentralbibliothek, die in Verbindung mit der Universität an der Viktoria-Allee (heute: Senckenberganlage) geplant war, entwarf Elsaesser einen 25-stöckigen Turm, der das Büchermagazin aufnehmen sollte und mit seiner kubischen Geschlossenheit zu einem Schlüsselbau des Neuen Frankfurts hätte werden können.