Die Großmarkthalle, 1926-2014

Mehrere Umstände machten Mitte der 1920er Jahre den Bau einer Frankfurter Großmarkthalle notwendig. Sie sollte Märkte bündeln, infrastrukturelle und hygienische Probleme lösen und gleichzeitig begrenzte Kapazitäten erweitern. Ebenso war es der Wunsch von Oberbürgermeister Landmann, Groß-Frankfurt auch im wichtigen Lebensmittel-Handelssektor ein neues, auch international glanzvolles Gesicht zu geben. Die Großmarkthalle stellte für Martin Elsaesser die größte architektonische Aufgabe seiner bisherigen Laufbahn dar.

Zwischen Ostend und einem Industriegebiet gelegen, sollte der Neubau den täglichen, reibungslosen Ablauf des Marktgeschehens gewährleisten. Die Anlieferung der Waren wurde über Straße, Wasser und Schiene ermöglicht. Auch das Innere der Großmarkthalle unterlag der betrieblichen Ordnung durch Hauptstraßen und Brücken. Die im Maßstab vermittelnden Annexbauten und die südlich vor der Großmarkthalle gelegene Importhalle - im Zuge des seit 2009 in Angriff genommenen Neubaus abgerissen - enthielten weitere wichtige Funktionen wie Wohnungen, Gaststätten, Banken, Agenturen und Einrichtungen des Zolls. Im Keller befanden sich die Lager der Händler und die sanitären Anlagen.

Die über 200 Meter lange und 23 Meter hohe Halle wird von zwei mittelalterlich-westwerkartigen und zugleich futuristisch anmutenden Kopfbauten gefasst, die im Osten ein großes Kühlhaus und im Westen Verwaltungsbüros enthielten. Die für Martin Elsaesser unverzichtbare Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbau wird bei der Dachkonstruktion deutlich, für die ein eigener Wettbewerb ausgeschrieben worden war. Die daraus resultierenden neuartigen Eisenbeton-Zylinderschalen nach dem Zeiss-Dywidag-System lagern auf trapezförmigen Stahlbeton-Bügeln, die die Halle rhythmisch gliedern. Der riesige Innenraum ruft eine sakrale Atmosphäre hervor, die auf Elsaessers reiche Erfahrungen im Kirchenbau verweist.

Für das Neue Frankfurt war die Großmarkthalle das wichtigste Einzel-Bauvorhaben. Schnell wurde sie 1928 nach ihrer Fertigstellung als der größte stützenlos errichtete Raum Europas berühmt und als ein Frankfurter Wahrzeichen angesehen.

Im „Dritten Reich“ wurde die Großmarkthalle durch das nationalsozialistische Regime zweckentfremdet. Sie nutzten die vorhandenen logistischen Strukturen, um die Deportation von Juden aus Frankfurt durchzuführen.

Im November 2015 wurde eine Gedenkstätte eröffnet, die an diese dunkle Zeit erinnert.

1944 wurde die Großmarkthalle schwer zerstört und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zügig wiederaufgebaut. Der Handel erholte sich schnell und erreichte in den 1960er Jahren seine Blütezeit. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurde die Halle zu klein, außerdem wurde sie im Laufe der Zeit immer sanierungsbedürftiger. 2004 endete der Marktbetrieb, nachdem das Areal zuvor von der Europäischen Zentralbank erworben worden war.

Die Europäische Zentralbank hat im Frühjahr 2015 ein ca. 185 Meter hohes, aus zwei Turmscheiben bestehendes, in sich gewundenes Hochhaus aus Stahl und Glas bezogen, das über einen horizontalen, die ursprüngliche Halle durchbrechenden Riegel mit ihr verbunden ist.